Hey, meine Solaranlage war echt teuer, die muss sich rentieren! Koste es was es wolle!

Im November 2006 war es soweit: Meine richtig echt verdammt teure thermische Solaranlage mit Heizungsunterstützung ging online! Ihre Investition sollte sich innerhalb von 25 Jahren armotisieren, schreibt Wikipedia. Hier nun die nächsten 25 Jahre meinen Bericht über die tatsächliche Effizienz.

Meine Gas-Verbrauchswerte für den Januar 2009

Katastrophal hoch! So lässt sich mein Gas-Verbrauch beschreiben, vergleicht man die 2.806 kWh (273m³) mit den Werten des Vorjahresmonat 2.200 kWh (214m³).

Wetterdaten

Die Ursache ist gleich gefunden: Der sehr kalte Januar mit 30 Frosttagen und 17 Eistagen (Quelle: Werner Neudecks Wetterpage) schlägt den Januar im letzten Jahr deutlich: Im Januar 2008 gab es nur 22 Frosttage und drei Eistage. Auch die Durchschnittstemperatur (Tag/Nacht) lag damals bei +2,2°C und dieses Jahr bei -3,8°C. Dies sei der zweitkälteste Januar seit 1983!

Solardaten

Aber auch bei der Sonnenausbeute lief es im Januar schlechter als noch im Vorjahresmonat. Lausige 81 kWh konnte ich aus der Sonneneinstrahlung erzielen. Im letzten Jahr waren es immerhin noch 114 kWh. Die Zahl wird noch schlimmer: Werner Neudeck meldet für diesen Januar einen Rekordsonnenschein mit 103 Stunden, was mehr als doppelt so viel Sonne wie üblich sei.

Ebenso ernüchternd an der Solarausbeute ist, dass ich experimentell die Einschalttemperatur für die solare Beladung des Optima Speichers auf 45°C heruntergeschraubt hatte (Einschaltdifferenz 15K). Eigentlich sollte so viel mehr ca. 27°C kühleres Wasser aus dem unteren Bereich des Puffers (TWU) mit mindestens 45°C wieder in die Mitte des Puffers gepumpt werden. Natürlich sind 45°C im Pufferbereich TPO und TWO viel zu wenig — etwa 15°C zu wenig. Der Hintergedanke meines Experimentes ist aber, dass 45°C immerhin einen Gewinn von 18°C ausmacht (Differenz zu den 27°C). Folglich sollte so zumindest über die Tage gesehen ein positiver Effekt eintreten.

Ein weitere Hintergedanke ist, dass an guten Sonnentagen die erste Einspeisung mit 60°C beginnt (45°C SOLL + 15K Schaltdifferenz = 60°C). Bei der nächsten Beladung liegt die Kollektortemperatur aufgrund der Einschaltverzögerung aber bei guten 90°C. Damit sollte die geringere Einschalttemperatur der Solarpumpe die Speicherschichtung nur geringfügig zerstören.

Weitere Daten

Auf der Statistik-Seite mit den Monatsverbräuchen 2009 habe ich wieder die üblichen Werte notiert: Der Kessel startete 140 mal und lief dabei 160h Stunden. Die Solaranlage pumpte 10h lang erwärmtes Wasser in den Speicher und erwirtschaftete so 81 kWh solaren Gewinn.

Vergleichswerte

Dirk hat mir wieder seine Daten für den Januar zugeschickt. Sein Gasverbrauch ist ebenso stark angestiegen: Mit 4.488 kWh (458m³) liegt er deutlich über dem Vorjahreswert von ca. 3.136 kWh (320m³). Ähnlich wie bei mir hat Dirk damit einen etwa 43% höheren Verbrauch. Dafür war es wohl bei ihm sonniger: Er konnte seinen solaren Ertrag von 150 kWh auf 228 kWh steigern.

Ein großer Unterschied zu meinen Daten finden sich bei den Betriebsstunden. Mit 589 Stunden lief Dirks Brenner jeden Tag durchschnittlich 19 Stunden! Dafür startete der Brenner auch nur 127 mal im Januar bzw. vier mal am Tag. Anders gerechnet: Mit jedem Start lief der Brenner über 4 1/2 Stunden lang durch.

Wenn Dirks Brenner 19 Stunden am Tag lief, heißt dies im Umkehrschluss, dass der Brenner 5 Stunden am Tag aus war. Da in der Nacht die SOLL-Temperaturen deutlich abgesenkt sein sollten und die Heizung nur im Frostschutzmodus läuft, sollte nachts der Brenner weniger häufig starten. Ich vermute daher, dass die fünf Stunden „Freizeit“ sich zum Großteil auf die Nacht beziehen. Damit bleibt nicht viel Zeit übrig zwischen den Brennerstarts tagsüber. Dirk, vielleicht kannst Du herausfinden, warum Deine Heizung so lange läuft und so wenig Pause einlegt.

9 mal Senf satt für “Meine Gas-Verbrauchswerte für den Januar 2009”

  1. DirkO |

    Hi Stefan,

    habe einmal meine Monatsaufzeichnung durchgeschaut und Du hast recht mit Deiner Vermutung über die Brennerlaufzeit.
    Da ich dreimal am Tag das WW nach heize, schaltet sich der Brenner nach Aufheizung für ca. 20 Minuten ab und in der Nacht ebenso. Bei mir läuft das BWG ab einer TA kleiner 8°C bis auf die Ausnahmen moduliert durch (was auch gewünscht wird). Das geringe Takten kommt vermutlich durch den grösseren Speicher den ich habe. TPO wird auf Solltemperatur von HK1 (Heizkörper) gehalten und hierbei ist die Kesselüberhöhung auf 4°K gestellt.
    Bei TA 0°C liegt TPO bei 40°C für den HK1 und 30°C für HK2.
    Nach etlichen Aussagen von den Experten im HTD- Forum ist ein modulierter Betrieb für das BWG am besten und wirtschaft-licher.

    sonnige Grüße vom Niederrhein

    Dirk

  2. Mark Retter |

    Hallo zusammen.
    Ich bin durch Zufall auf Ihre Seite gestoßen und schreibe meine Werte auch immer brav mit.
    Und zwar verrichten bei mir seit dem 1.11.08 drei cpc 21er in voller Südausrichtung ihren Dienst.Also knapp 12 qm (zumindest brutto) Im Heizungsraum steht dann der Optima 1000. Mein ganzes Haus hat Fußbodenheizung mit ca. 230qm beheitzter Fläche. Ach ja und dann steht da noch dieser stinkende Ölheizkessel den ich aber bei Sonnenschein auch im dicksten Winter nicht brauche, erst wenn die Sonne untergeht.
    Hier meine Werte:
    Solarertrag Januar 277kWh
    Pumpenlaufzeit 27h
    Gesammtertrag seit 1.11.08 570kWh
    Der Ölbrenner lief im Januar ca 105h was einem Ölverbrauch von 294 litern entspricht(8liter weniger als im Dez)
    Vieleicht gibt es Leser mit einer ähnlichen Anlagengröße mit denen ich vergleichen könnte….
    Wenn ja bitte mailen: mark.retter@gmx.de

    Nette Grüße
    Mark Retter

  3. stefan |

    Hallo Mark,
    Danke für Deine Daten! Ich würde mich freuen, wenn Du mir Deine Werte auch zukünftig zuschicken könntest, z.B. per Mail. Gerne würde ich die Werte hier zusammen mit den anderen veröffentlichen!

    Wer sonst noch Werte hat, kann mich immer gerne kontaktieren 😉

    Gruß, Stefan

  4. Dietrich Leutelt |

    Erst mal das Kompliment: Tolle Seite, sympatisch geschrieben, mit viel „Futter“! Seit einem Jahr doktore ich an einer neuen Gasheizung mit solarer Heizungsunterstützung. Habe internetmäßig fast alle Hersteller rauf und runter studiert. Hatte mich zunächst bei Rotex angefreundet, bin aber dann bei Paradigma, des Systems mit CPC wegen, hängen geblieben. Aber jetzt kömmts: Ich werde zumindest zunächst keine Solaranlage kaufen, sondern nur den BW-Kessel. Ich behalte sogar meinen Wasserspeicher. Warum? Nach Abzug aller Fördermittel, sowohl von Papa Staat, als auch von Paradigma (machen derzeit Verkaufsförderung), muß ich immer noch ca. 20 Mille ausgeben (Kessel, 10 qm CPC mit Expresso-Speicher). Meine aktuellen Energiekosten betragen ca. 2000 p.a. Spare ich davon, sagen wir, 30%, dann rechnet sich die Investition in 30 Jahren. Gehen die Preise hoch, sind es vielleicht 15-20 Jahre. Ich bin jetzt 65; soll mein Sohn vielleicht noch an einer Technik herumamortisieren, die, wenn ich in’s Gras gebissen habe, längst überholt ist? Jetzt gibt’s bestimmt ein paar Herzlose, die sagen: Auf das Resultat hättst du schon vor einem Jahr kommen können. Richtig. Aber man ist ja erst mal Feuer und Flamme, und die Erkenntnis sickert erst mit der Zeit durch. Alles steht und fällt mit der Speichertechnik. Wenn es in 5 Jahren Latentspeicher mit Salzen oder sonst was gibt (Parafin ist dann out) -vielleicht kaufe ich mir ja dann eine Solaranlage. Wenn man bis dahin nicht Steuern auf Sonnenenergie zahlen muß ;-).
    Gruß Dietrich

  5. steve |

    Erstmal auch von mir Kompliment für die tolle Seite!
    Das Paradigma System CPC Allstar interessiert uns weg. der Nachrüstbarkeit ohne einen neuen Speicher kaufen zu müssen.
    Aber ich habe gehört dass für das Forstschutzsystem
    aus dem Speicher warmes Wasser abgezogen wird.
    Effizienz sieht anders aus oder ?
    Gruß Steve

  6. stefan |

    Hallo Steve! Es ist richtig, dass die Anlage ohne Frostschutzmittel betrieben wird. Stattdessen läuft Wasser aus dem Speicher durch die Kollektoren.

    Vorteil: Die Kollektoren „verstumpfen“ nicht so schnell wie mit dem Frostschutzmittel, außerdem muss das Wasser nicht ausgetausch werden — es gibt auch keinen Wärmetauscher für die Solarkollektoren.
    Nachteil: Ich pumpe an kalten Tagen ca. 20°C warmes Wasser von Zeit zu Zeit durch die Kollektoren.

    Meine Erfahrung ist aber, dass der Energieverlust sehr gering ist. Beispielsweise im Winter, wenn Schnee auf den Kollektoren liegt. Dieser schmilz nicht, zumindestens nicht aufgrund des Warmwassers in den Kollektoren. Für mich ist das ein Zeichen dafür, dass der Verlust sehr gering ist.

    Übrigens: Paradigma gibt einen Wärmeverlust über die Kollektoren von 2-4% des Jahresenergieertrags (in Deutschland) an.

  7. Rolf Drewes |

    Nanu? Hatte ich meinen Senf nicht schon abgeliefert? Wie dem auch sei, sh. „Unser Solargewinn“ bei http://www.rolfdrewes.de

  8. Rolf Drewes |

    Hallo, Nachtrag noch zur Frage des Frostschutzes: soweit ich informiert wurde, hat man sich für Wasser statt Glykol entschieden, weil die bessere Wärmeleitung von Wasser ergiebiger ist als die Frostfreihaltung durch Warmwasser an Verlust bringt. Allerdings ist auch dieses regional mit Vorsicht zu genießen: Ich wohne an der Küste, bei Emden. Wir haben hier weitaus weniger Frosttage als anderswo im Binnenland. Ein kleiner Temperaturvergleich von vier Städten kann auf meiner Seite betrachtet werden.

  9. Babü |

    Hallo zusammen, was Dietrich Leutelt schrieb, ist sehr interresant für mich. Ich bin in der gelichen Lage. Möchte mich aber trotzdem für eine Solarunterstützung entscheiden. Gas-Brennwert+Schichtladespeicher+CPC also.
    Ich habe mir Vaillant und Paradigma herausgesucht.
    Bin aber verunsichert ob nun das AQUA-System in der Praxis wirklich ein Vorteil bietet. Vorallem soll ich satte 10.000,00 Euronen mehr für das Wassersystem (Expresso-Speicher)hinblättern!
    Gern höre ich die Meinung von Ihnen, den nunmehr erfahrenen Anlagenbetreibern.

Is mir wurscht was für'n Senf Du abgibst, aber sag was! Hier und jetzt!

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